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Redewendungen

Oft werden Sätze oder Worte gesagt, über deren Ursprung wir uns keine Gedanken machen. Ich habe mich einmal näher damit befasst und in Zeitungen so einiges gefunden. Es ist wirklich interessant, woher diese Redewendungen eigentlich kommen.

Das Gras wachsen hören
Wer das Gras wachsen hört, hält sich für sehr klug und weiß alles besser. Ein Ausdruck der Anerkennung ist es also nicht. Sagt man über einen Menschen “Achtung, der hört das Gras wachsen!”. dann macht man sich über ihn lustig.
Nicht selten ist auch Ängstlichsein damit verbunden. Der Ausspruch entstammt der Edda, die im 13. Jahrhundert entstanden ist. In dieser alten nordischen Götter und Heldendichtung verfügt Heimdall, der Wächter des Himmels und Schützer allen Lebens, über derart außergewöhnliche Fähigkeiten, dass er sowohl “das Gras in der Erde als auch die Wolle auf den Schafen wachsen” hört.

Was ist eine Schnapszahl?
Wenn man mal im Supermarkt 5,55 Euro zu zahlen hat, heißt es oftmals: “Oh’, eine Schnapszahl, wer gibt einen aus?” Heute ist der 8. 8. - ebenfalls eine Schnapszahl. Was hat es nun aber mit diesem Begriff wirklich auf sich? Die Wahrnehmung eines Menschen wird, wenn er (zu-)viel Alkohol - also Schnaps - getrunken hat, stark verändert. So beeinflusst der Alkohol bei “Schnapsnasen” die Zellen im Hirn und damit Wahrnehmung, Gleichgewicht, Sprache und vieles mehr. In diesem Zustand hat dann mancher Erwachsene nicht nur meistens recht unsinnige und manchmal sogar gefährliche “Schnapsideen”, sondern torkelt, kann nicht mehr genau sprechen und sieht auch so manches Mal nicht mehr klar, sieht eben doppelt. Da wird dann eben aus einer Zahl ein Doppel oder mehr. Taucht also die Acht im Datum heute doppelt auf, so spricht man scherzhaft von einer Schnapszahl - man sieht eben doppelt, auch wenn man bei dem heißen Wetter nur an einer Brause genippt hat.

... ein großes Schlitzohr sein
Wird man von einem Menschen betrogen, so hat man gewiss manchmal das Bedürfnis, den Übeltäter am Ohr zu packen und ihm “... du großes Schlitzohr” in dasselbe zu brüllen. Im Mittelalter griff man zu drastischeren Maßnahmen: Einem Gesellen wurde bei Regelverstoß der Ohrring, das Zeichen der Zunftzugehörigkeit, ausgerissen. Auch Betrügern soll in jener Zeit das Ohr geschlitzt worden sein. Das Ergebnis jedenfalls war für alle sichtbar. Da läuft ein Schlitzohr! - Dafür, dass Übeltäter mit dem Ohr an die Kirchentür genagelt wurden, wurde allerdings kein Beweis gefunden.

Der Himmel
Der Himmel ist in der christlichen Vorstellung einerseits der Sitz Gottes und seiner Engel. Wer den “Himmel auf Erden” hat, dem geht es sehr gut. Wem der Himmel voller Geigen hängt, der ist sehr glücklich. Schwebt jemand im siebten Himmel, so freut er sich übermäßig und hier ist es die rabbinische Lehre, für die der siebte Himmel der höchste ist. “Himmel” meint aber auch “Gott”. “Weiß der Himmel”, hört man da, oder “Ach du lieber Himmel!” Auch Flüche beinhalten gerne den Himmel, aus “Himmelsakrament” wird, wenn der Ärger groß ist, schon mal “Himmel, Sack, Zement”. Die kräftigsten Flüche kennen sicher die Bayern mit ihrem “Himmisakrakreuzteifi”.

Das ist hanebüchen!
“Hanebüchen” ist in der deutschen Sprache ein ungewöhnliches Wort und wird oft falsch geschrieben - zum Beispiel mit einem “d” am Ende. Eine hanebüchene Frechheit ist eine unglaubliche, derbe Frechheit; auch Geschichten oder Kerle können hanebüchen sein. Das Wort kommt von “Hainbuche” oder “Hagebuche” und meint, dass jemand oder etwas grob und klotzig wie das Holz dieser Pflanze ist. Sie heißt übrigens nur deshalb Hagebuche, weil sie ähnliche Blätter hat wie eine Buche. In Wirklichkeit ist sie ein Birkengewächs.

Sich nicht lumpen lassen
Zunächst eine kleine Feststellung, die leicht zu Sinnesverwirrungen führen könnte; als Lump gilt augenscheinlich, wer nicht in der Lage ist, mit den Geldstücken nur so um sich zu werfen. Und umgekehrt: als Ehrenmann gilt also, wer das kann. Nun ja, wir verstehen ja einen Spaß und wissen, wie es gemeint ist. Wer sich nicht “lumpen” lassen will, das ist eben derjenige, der es sich zur Ehre anrechnet, über seine Freunde das volle Maß seiner Großzügigkeit auszustreuen. Verborgen bleibt immerhin der nicht ganz totzuschweigende kleine Nebensinn: etwas mehr tun als man eigentlich vermag, sich bis zur Grenze des Vernünftigen verausgaben. Ein Lump sei, wer sich nicht lumpen lässt! (oder doch lumpen lässt!?).

Aus dem Stegreif
Der Stegreif hat nicht mit stehen und greifen zu tun, sondern mit steigen und Reif; in dem altnordischen Wort “stigreip” ist das vielleicht noch ersichtlich - auf jeden Fall ist damit ein Steigbügel gemeint. “Aus dem Stegreif” bedeutet also: etwas tun, ohne abzusteigen. Auf diese Weise wurden in vergangenen Zeiten beispielsweise eilige Botschaften verlesen, Gedichte gemacht und Leute überfallen. Ein Stegreifritter war im 14./15. Jahrhundert ein heruntergekommener Ritter, der sich vom Räubern ernährte. Vielleicht sollten wir doch nicht so viel aus dem Stegreif, also spontan und unvorbereitet tun.

Jemanden festnageln
Festgenagelt zu werden muss nicht unbedingt schmerzhaft sein, denn es bedeutet heutzutage nur noch, dass man auf etwas, das man gesagt hat, festgelegt wird - zum Beispiel auf einen doch eigentlich nur beiläufig geäußerten und vielleicht nicht einmal so ernst gemeinten Heiratsantrag. Von Vorteil ist dabei, wenn dieses Festnageln hör- und sichtbar vor Zeugen geschieht. Für Tiere sah dies allerdings einst anders aus. Es gab zum Beispiel den Brauch, räuberische Vögel wie Bussarde oder Habichte tatsächlich an einem Scheunentor festzunageln. Dies sollte andere Raubvögel davon abhalten, ebenso unter den Beständen des Bauern zu wüten.

Kohldampf schieben
Wer etwas derb zum Ausdruck bringen will, dass er Hunger hat, der spricht von Kohldampf, am besten kombiniert mit dem Verb schieben. Mit Kohl oder Wasserdampf hat das allerdings nichts zu tun. Dieses Wort kommt aus der Gaunersprache Rotwelsch; Koller oder Koll war die Wut, der wütende Hunger und auch Dampf bedeutete Hunger. “Schieben” haben wir auch in “Wache schieben”. Es ist mit dem rotwelschen “scheften”, also “sein”, “machen”, “sitzen”, verwandt. Von der Gaunersprache gelangte der Ausdruck in die Soldatensprache und verbreitete sich im Ersten Weltkrieg in der Bevölkerung.

Frühstücken wie Gott in ...

Müsli, Wurstbrot oder Brei? Die Welt frühstückt unterschiedlich. In Frankreich ist man mit Milchkaffee, Croissants und Marmelade zufrieden. In England darf es mehr sein: Zum Buttertoast reicht man gebackene Bohnen, Tomaten, Würstchen und Pommesfrites. Eher mager präsentiert sich der italienische Frühstückstisch: Ein Espresso und ein süßer Kipfel müssen da erst mal genügen. Und die Türkei kommt salzig daher: Zu Weißbrot werden Fetakäse, Honig und Oliven gereicht. Auch Russland liebt’s deftig: Neben dem obligatorischen (Hafer)Brei darf man auch mit Bratkartoffeln und Würstchen rechnen. Sollte jemand zum Frühstück aber auf getrockenetem Fisch bestehen, könnte Malaysia wärmstens empfohlen werden.

Oje, Ojemine!
Bei einem Schreck, einer unliebsamen Überraschung rutscht einem schon mal ein “Ojemine!” raus. Viele solcher Ausrufe haben oft eine lange Geschichte und sind christlichen Ursprungs. Einst wurde “O Jesu Domine”, also “Herr Jesus” auf lateinisch, um Hilfe gerufen, was den Geistlichen ein Dorn im Auge war. Schließlich sollte sein Name nicht vergeblich gerufen werden. Das Volk war erfinderisch und schliff den Ausspruch zu “Oh Jemine” ab. Auch “oje” kommt von “oh Jesus”, im letzten Augenblick verschluckt, sozusagen.

Durch die Lappen gehen
Wenn ein Geschäftsmann unbedingt eine bestimmte Sache ergattern will, so will er sich diese auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen. Sein Jagdfieber ist dabei vielleicht genauso erwacht wie das der richtigen Jäger von einst: Schon 1580 werden bunte Zeuglappen als Schrecktücher zum Umstellen des Wildes erwähnt. Diese wurden zwischen die Bäume gehängt, um so bei Treibjagden das Wild aufzuscheuchen. Frecherweise gab es immer wieder Rehe und Hirsche, die sich von dem bunten Geflattere nicht abschrecken ließen und somit einfach durch die Lappen gingen.

Unter aller Kanone
Wenn die Schüler mal wieder ihren Tagträumen nachhängen, kann es durchaus sein, dass der Lehrer ihr Wissen als “unter aller Kanone” bezeichnet. Auch im Sport benutzt man diese Redewendung, wenn z.B. eine Fußballmannschaft ein miserables Spiel abgeliefert hat. Kanone? Sicher waren es humorvolle Schüler, die einst den lateinischen Ausdruck “sub omni canone” so übersetzten - “canone” übrigens mit Betonung auf der ersten Silbe. Der “Kanon” war ein Maßstab zur Benotung und bezeichnete im Griechischen einst einen Rohrstab und Maßstab der Zimmerleute. Dieses Wort wiederum hatten die alten Griechen von den Assyrern übernommen, dort war “ganu” das Rohr. Und hier haben Kanon und Kanone ihren Ursprung.

An der Nase herumführen
Wer lässt sich schon gern an der Nase herumführen, das heißt, wer lässt sich gern zum Narren halten von jemandem? Auch der Tanzbär, dem man einen Ring durch die Nase gezogen hat und ihn dadurch zwingt, in aufrechter Haltung Schritte zu vollführen, die wie Tanzen aussehen, wird nicht gerade die edelsten Empfindungen haben im Zustand seiner Ohnmacht. Es ist ebenso demütigend wie schmerzhaft, wenn wir erkennen müssen, dass uns jemand überlegen ist und sich über uns lustig macht. Seien wir auf der Hut, dass es niemandem gelingt, unserer Würde zu nahe zu treten und uns nach seinen Vorgaben tanzen zu lassen.

Hochstapler
Im heutigen Sprachgebrauch ist das jemand, der sehr übertreibt. Ursprünglich verstand man unter einem Hochstapler einen Gauner, der unter falschem Namen oder Adelstitel als Angehöriger der oberen Klasse auftrat und gewinnreiche Betrügereien verübte. Das Wort stammt aus dem 18. Jahrhundert und kommt auch aus der Gaunersprache, in der stapeln betteln bedeutet. Ein Hochstapler war also ein “hoch”, ein vornehm auftretender Bettler.

Den Spieß umdrehen

Es gibt pfiffige Menschen - nicht immer die anständigsten -, die eine Begabung dafür haben, “den Spieß umzudrehen”, damit ist gemeint, eine Situation so zu ihren Gunsten umzugestalten, dass, was recht war, plötzlich unrecht aussieht oder umgekehrt. Das sind die gelehrigen Nachfahren jener Landsknechte im Mittelalter, die im Streit mit einem Gegner es verstanden, dem anderen den Spieß zu entreißen und auf ihn einzudringen, so dass die Spießspitze plötzlich genau in die entgegengesetzte Richtung zeigte und der Überlistete somit schleunigst Reißaus nahm. Den Spieß umdrehen ist die bewährte Methode für einen Angegriffenen, mit Hilfe seiner Hinterhältigkeit die Dinge zu seinem Gunsten zu wenden.

Etwas andenken?
Es soll ja früher Leute gegeben haben, die noch ausgiebig über eine bestimmte Sache nachgedacht haben - vorbei sind die Zeiten des langen Nachgrübelns, viel zu kompliziert und langwierig! Heute wird ein solches Thema mal eben locker-flockig angedacht, vielleicht vorsichtig andiskutiert, ohne aber dabei irgendwelche Verpflichtungen einzugehen. “Wollt ihr beiden denn nicht mal heiraten?” “Na ja, Mama, ich habe es mal angedacht, aber immer, wenn ich das Thema anreiße, findet Justus das viel zu aufwendig. Wir lassen’s also einfach so, wie es ist ...” Die Mutter sollte über dieses heikle Thema vielleicht nicht mehr nachdenken oder es gar laut ansprechen.

Die Nase voll haben
Einen verschnupften und deswegen schlecht gelaunten Menschen können wir uns leicht vorstellen - der Ausdruck “Die Nase voll haben” kommt aber wohl nicht daher. Wer die Nase voll hat, steckt in einer bedenklichen Situation, aus der er gerne herauskommen möchte - wie einst auch jene Gefängnisinsassen, die vielleicht zur Strafverschärfung noch die Nase voll(gehauen) bekamen, was dann in die Gaunersprache überging. Heute wird diese Redensart nicht nur von Gangstern benutzt: “Ich hab die Nase voll, ich geh jetzt heim.”

...Etwas abknöpfen

Ein normaler Knopf ist eigentlich nichts Besonderes und nicht sehr teuer. Wenn etwas “keinen Knopf wert” ist, wie es in einer alten Redensart heißt, so taugt diese Sache eben nicht viel. Und doch könnte es sich lohnen, jemandem etwas abzuknöpfen, denn dies bedeutet so viel wie “jemandem Geld abnehmen”. In früheren Zeiten trugen in einigen Teilen Deutschlands reiche Bürger und Bauern an ihrer Kleidung nämlich Silbermünzen und Medaillen statt Knöpfe, so dass es sich gewiss gelohnt hat, sie um ein paar Knöpfe zu erleichtern - egal ob die Träger diese freiwillig hergaben oder ob man sie sich erst vorknöpfen musste.

Unter Dach und Fach bringen
Im Herbst ist der Bauer froh, wenn er das Getreide endlich unter Dach, also in Sicherheit gebracht hat. Ursprünglich kommt der Ausdruck allerdings vom Hausbau: Ein Neubau war im Groben fertig und so vor schlechtem Wetter geschützt. Das Fach war die kleinste Einheit beim Fachwerkhaus, jeder Raum zwischen drei oder vier Eichenbalken bildet ein solches “Gefach”. Heute ist ein Plan oder Projekt unter Dach und Fach, wenn ihm nichts mehr passieren kann, wenn alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden.

Haben
Ohne “haben” wären wir alle aufgeschmissen und das liegt nicht daran, dass man unbedingt etwas besitzen müsste: Selbst ein Habenichts kann etwas haben, Angst oder Hunger. Haben geht also tiefer als besitzen. Wenn zwei sich haben, so sind sie ein Brautpaar. “Sich haben” kann aber auch “sich zieren” bedeuten. Der Ausspruch “Haste was, biste was” bezieht sich auf Ansehen durch Wohlhabenheit. “Er hat was gegen mich” ist eine Abneigung gegen mich, während “er hat was mit ihr” das Gegenteil bedeutet. “Ich hab’s!, ruft jemand aus, der etwas geschafft hat. Unerfreulicher ist es, wenn wir’s haben, den Salat etwa. “Da haben wir’s!” drückt Verärgerung aus. Und damit hat es sich noch längst nicht mit dem Wort “haben”.

Das Feuer
Unser gefährlichstes Element ist Feuer. Es kann zwar einen dunklen Herbstabend erhellen, aber auch Häuser und Leben zerstören. Früher konnte es passieren, dass man von zwei Bränden gleichzeitig bedroht war - und noch heute heißt es: “Er ist zwischen zwei Feuer geraten”, was bedeutet, er wird von zwei Seiten bedrängt. Feuer fangen, also in Brand geraten, kann nicht nur eine Sache. Feuer fangen kann auch ein Mensch, dann begeistert er sich plötzlich für etwas oder ist gar verliebt. Und wer liebt, der würde für ihn oder sie durchs Feuer gehen. Eine Redewendung, die daran erinnert, was manche auf sich nehmen, um andere aus dem Feuer zu retten. Hoffen wir, dass da niemand mit dem Feuer spielt.

Geld stinkt nicht
Wenn man einen sauberen Euroschein oder eine glänzende Cent-Münze in die Hand nimmt, besteht darüber kein Zweifel, aber auch von alten, zerfledderten Scheinen lässt sich dies meistens sagen. Dieser Ausdruck bedeutet, dass Geld selbst nichts Anrüchiges ist, ganz egal, woher es kommt. Einst war der römische Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.) bei seinen Untertanen auf Kritik gestoßen, als er sogar Abgaben für das Benutzen öffentlicher WC’s erhob. Den Einwand, das Geld aus dieser “Urinsteuer” stinke, ließ er nicht gelten - “non olet”, es riecht nicht, so sein Fazit.

Hokuspokus - was ist damit eigentlich gemeint?
Zur närrischen Zeit, wenn wieder die Hexen durch die Straßen tanzen, hört man das Zauberwort recht häufig: Hokuspokus! Das Wort geht nicht, wie oft behauptet, auf die Abendmahl-Formel “Hoc est corpus meum” (Dies ist mein Leib”) zurück, sondern auf die Schöpfung fahrender junger Leute, die sich von 1563 mit der leeren, pseudolateinischen Formel “Hax pax max Deus adimax” und einigen Taschenspielereien ihr Geld verdienten. Später wurde ein Taschenspieler in England “hocus pokos” genannt; in Deutschland war “Ox pox” erst Zauberei (1705), dann Gaukelei und Betrug.

Brosamen
Wenn sich die kalte Jahreszeit nähert und wir an hungernde Vögel erinnert werden, so taucht manchmal das Wort “Brosamen” auf. Mit eventuellen Brotsamen hat dies allerdings nichts zu tun. Der Brosam bzw. die Brosame kommt vom althochdeutschen “brosama”, was schlichtweg “Bröckchen, Zerriebenes” bedeutete. Dem Hungernden wurde also einfach ein Krümel der eigenen Mahlzeit zugeworfen. Die Worte Brösel und zerbröseln stammen direkt davon ab, wohingegen ein Eigenbrötler mit dem Brot in Verbindung steht: das war der Junggeselle, der sein eigenes Brot buk.

Den Teufel an die Wand malen
Nach altem Aberglauben wurde der Teufel angelockt, sobald man seinen Namen nannte - daher der Ausspruch: “Wenn man vom Teufel spricht, kommt er”. Aber auch schon ein Bild des Teufels kann ihn auf den Plan rufen. “Mal bloß nicht den Teufel an die Wand” besagt also ebenfalls, dass man das Unglück nicht herbeirufen soll. Wer den Teufel dennoch an die Wand malt, dem schwant für die Zukunft etwas Düsteres, er sieht schwarz. Vielleicht hat er einfach Angst, wegen seiner Sünden in Teufels Küche, also in die Hölle zu kommen.

Zeigen, was eine Harke ist
In den nördlichen Regionen Deutschlands weiß man, was eine Harke ist. Im Süden dagegen eher nicht, denn dort nennt man diesen Gegenstand für die Gartenarbeit Rechen. Nach einer alten überlieferten Anekdote hatte einmal ein Bauernsohn, der aus der Fremde (dem Süden) heimkehrte, seine Muttersprache völlig vergessen. Als er aus Versehen auf die Zinken der Harke trat und der Stiel ihm gegen den Kopf schlug, rief er aus: “Verfluchte Harke” - die Erinnerung war wieder da. Wenn euch heute jemand zeigen möchte, was eine Harke ist, tut er das grob und belehrt euch womöglich handgreiflich.

In der Kreide stehen
Die Kreide diente einst zum Aufschreiben der Schulden auf einer schwarzen Tafel, vor allem im Wirtshaus. Wer also bei jemandem in der Kreide stand, hatte Schulden bei diesem. Wird einem etwas angekreidet, so wird es ihm nachgetragen wie eine offene Schuld. Aber auch der Wirt konnte schuldig werden, indem er nämlich mit zwei Kreiden schrieb und also doppelte Striche für die Schulden eintrug. Oder indem er aus einem V (= 5) ein X (= 10) machte: zwei kleine Striche mehr gleich doppelter Gewinn. Wer sich kein X für ein U (einst V) vormachen lässt, der lässt sich nicht betrügen.

“Tun” bedeutet Wichtiges
Wenn Herr Meyer beteuert, er habe am Wochenende zu viel zu tun und könne nicht mit zur Oma, so macht er damit deutlich, dass seine Arbeit wichtiger ist als ein Familienfest. “Tun” steht oft für etwas Wichtiges. “Wir müssen doch was tun!” will sagen “wir müssen helfen”. Ein Nichtstuer tut nichts für den Lebensunterhalt oder die Gesellschaft - wie verwerflich. “Er tut, was er kann” ist da schon besser. Im 14. Jahrhundert wurde das Verb “tun” übrigens weitgehend von “machen” abgelöst, hat aber noch seine eigenen Bedeutungen. “Tun als ob” heißt sich verstellen, etwas vortäuschen. “Ich tu dir nichts” bedeutet, einer tut dem anderen nicht weh. “Das tut’s” besagt einfach, dass etwas reicht, meist auf finanzieller Ebene. Was dieses Wort betrifft, so tut’s das jetzt wohl.

Schlafen wie ein Murmeltier

Zu einem Menschen, der besonders tief und fest schläft, sagt man: “Du schläfst wie ein Murmeltier!” Aber stimmt die Redensart? Schlafen wir wirklich wie die Murmeltiere?
Schauen wir den Murmeltieren, die zu den Nagetieren gehören, einfach mal auf die Pfoten, was sie da den lieben langen Tag so auf ihren Bergen treiben. Obwohl sie die Sonne mögen und für ihre unterirdischen Baue die Südseite oberhalb der Baumgrenze in den Alpen bevorzugen, stehen sie noch lange nicht mit der Sonne auf. Nein, sie lassen es gemütlich angehen, erst zwei Stunden nach dem Sonnenaufgang krabbeln sie aus ihrer Höhle heraus. Zum Frühstück gibt’s frische Gräser und duftende Kräuter, zur Verdauung etwas in der Sonne dösen, noch einmal ein paar Pflanzenhäppchen am Spätnachmittag und dann ist es bereits wieder Zeit, sich in der Wohnung unter der Erde zu verkriechen, denn Murmeltiere warten mit dem Schlafen nicht bis die Sonne untergeht.
Verbringen die putzigen Nagetiere im Sommer schon viel Zeit mit Ausruhen, ist es im Winter noch viel schlimmer. In dieser Jahreszeit verfallen sie in einen richtigen Winterschlaf. Bereits im Herbst zieht sich der ganze Clan in den Winterbau zurück. Drei Meter unter der Erde liegen dann bis zu 15 fette Murmeltiere eng aneinander gekuschelt. Die Schnauze zwischen die Hinterbeine geklemmt, sieht jedes Tier aus wie eine kleine Fellkugel. Durch das dichte Fell und die Ballform verliert der Murmeltierkörper ganz wenig Wärme. Das ist besonders wichtig, weil das Tier jetzt nicht mehr so viel Wärme bilden kann, da es ja nichts mehr frisst. Es lebt während des Winters nur noch von seinen im Herbst angefressenen Fettpolstern.
Aufgewacht wird alle paar Wochen einmal, aber nur um auf die Toilette zu gehen. Bei seinem Winterschlaf atmet das Murmeltier nur noch zwei bis dreimal in der Minute, der Herzschlag wird von 88 bis 140 Schlägen im Sommer auf fünf Schläge in der Minute gesenkt. Die Körpertemperatur sinkt sogar bis auf 4,6 Grad. Jetzt wird klar, selbst wenn wir noch so tief und noch so lange schlafen, wir schlafen nie wie ein Murmeltier, denn unsere Körpertemperatur bleibt immer gleich.

Asche aufs Haupt streuen
Asche ist, wir wissen es alle, ein kleiner Rest, nachdem etwas verbrannt wurde. Legen Sie etwas in Schutt und Asche, haben Sie ganze Arbeit geleistet, denn es ist alles zerstört und es bleibt Schutt und Asche übrig. Auch bei “in Staub und Asche legen” oder gar “in Schutt und Asche versinken” verhält es sich so. Hier denken viele sofort an das italienische Dorf Pompeji, welches 79 nach Christus im wahrsten Sinne des Wortes in Schutt und Asche versank. Doch wenn du dir Asche aufs Haupt streust, hast du gegenüber einer Person eine demütige Haltung. Dieser Ausdruck aus der Bibel nimmt auf den Brauch Bezug, sich zum Zeichen der Trauer Asche und Staub auf den Kopf zu streuen.

Als Prügelknabe herhalten

Noch heute hört man, wenn sich jemand zu Unrecht betroffen fühlt: “Ich soll wohl als Prügelknabe herhalten?”
Die Menschen haben im Laufe der Jahrhunderte schon seltsame Bräuche entwickelt. Da gab es z.B. junge Edelleute, die aufgrund ihres hohen Standes nicht durch Schläge bestraft werden durften, auch wenn ihr Vergehen in ihren Erziehern ein solches Bedürfnis durchaus geweckt haben mochte. So wurden statt der edlen Knaben arme Kinder verprügelt. Die wirklich Schuldigen mussten zusehen. Für diesen Zweck hielt man sich extra Prügelknaben. Ähnlich war es mit den so genannten Sündenböcken, denen in biblischer Zeit symbolisch die Sünden des Volkes auferlegt wurden. Die Böcke wurden dann geschlachtet.

Von echtem Schrot und Korn
Wer hier an Schrotflinten und an ein Gläschen Schnaps denkt, der liegt gründlich daneben. Das Wort Schrot bedeutete ursprünglich “abgesägtes Stückchen” und diente als Gewichtsbezeichnung für Münzen. “Korn” war der Feingehalt der Münzen und als sich deren Qualität verschlechterte, legte man natürlich Wert auf Münzen “aus echtem Schrot und Korn”. Ebenso bezeichnete Männer gelten als aufrecht, ehrlich und zuverlässig. Das Schrot ist übrigens ursprünglich dasselbe wie der Schrott und mit zu der Wortfamilie gehören schroten, verschrotten und schreddern.

Sauer wie eine Zitrone

Wer an Zitronen lutscht, macht ein Gesicht, dem man nicht allzu häufig begegnen will. Mit dem Begriff sauer werden noch andere Dinge verbunden.
Milch wird bei zu langem Stehen ebenfalls sauer. Wenn man also etwas schnell erledigen soll, sagt man auch, lass es nicht sauer werden. Gibst du jemandem aber Saures, wirst du handgreiflich. Hier müsstest du in den sauren Apfel beißen, was sicherlich nicht angenehm ist, und dich zurückhalten, sonst wird derjenige sauer wie eben eine Zitrone.

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